Autor: Tobias Beuler - Fertighausexperte
Kategorie: Bau Wiki
Zuletzt aktualisiert: 20. June 2026
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Das Streichen ist ein elementarer Schritt beim Hausbau, wird oftmals aber auch beim Bezug von und Auszug aus Mietwohnungen zur Notwendigkeit. Grundsätzlich handelt es sich hier um eine recht simple Arbeit, die zwar Zeit kostet, sich in der Regel aber auch von handwerklich geschickten Laien durchführen lässt. Zu beachten ist jedoch, dass sich nicht alle Farben miteinander vertragen. Besonderheiten gibt es mitunter beim Streichen von Kalkfarbe über Dispersionsfarbe. Wir zeigen auf, wie der Kalkanstrich in einem solchen Fall gelingt.
Inhaltsverzeichnis
Kurz & Kompakt - Das Wichtigste
Kalkfarbe haftet auf Dispersionsfarbe nur eingeschränkt, da beide Anstriche unterschiedliche Eigenschaften besitzen.
Mit Bindemitteln wie Kasein, Salz und Zinksulfat lässt sich die Haftung der Kalkfarbe deutlich verbessern.
Eine dünne Kalklasur als Grundschicht kann ebenfalls als Haftbrücke dienen und sorgt für ein besseres Ergebnis beim Kalkanstrich.
Details zur Dispersionsfarbe
Klären wir zunächst, was überhaupt mit Dispersionsfarbe gemeint ist. Dabei handelt es sich um eine günstige und aufwandsarm verarbeitbare Farbe, wie sie in jedem Baumarkt zu finden ist. An den meisten deutschen Innenwänden ist Dispersionsfarbe zu finden. Möchte man diese überstreichen, geht das am einfachsten, wenn man wieder eine solche Farbe wählt. Fällt die Wahl hingegen auf Kalkfarbe, gestaltet sich das Streichen komplizierter. Warum? Ganz einfach: Kalkfarbe haftet nicht optimal auf der gängigen Dispersionsfarbe.
Optionen: Kalkfarbe auf Dispersionsfarbe streichen
Trotzdem ist es prinzipiell möglich, einen Kalkanstrich auf Dispersionsfarbe anzubringen. Hierfür benötigt man ein Bindungsmittel, das die Haftung der Kalkfarbe verbessert. Diese Optionen kommen infrage:
Salz und Zinksulfat
In manchen Fällen genügt es, die Kalkfarbe mit gewöhnlichem Speisesalz und Zinksulfat anzureichern. Damit sich diese Zusatzstoffe gut lösen können, rührt man das Kalkpulver – anders als normalerweise – mit heißem Wasser an. Sobald aus dem Pulver und dem Wasser eine glatte Masse geworden ist, gibt man das Zinksulfat und das Salz hinzu. Dann wird noch einmal kräftig und sorgfältig umgerührt. Auf zehn Liter Kalkfarbe kommen dabei etwa 125 g Zinksulfat und 60 g Salz.
Kasein
Kasein eignet sich besonders gut, um Kalkfarbe bindungsfähiger zu machen. Kaseinpulver oder Kaseinlösung ist in jedem gut sortierten Farbhandel und auch in manchen Baumärkten zu bekommen. Alternativ kann aber auch mit Hausmittelchen gearbeitet werden, schließlich enthalten Milchprodukte jede Menge Kasein. So lässt sich zum Beispiel Speisequark verwenden, der zunächst mit Sumpfkalk zu einer zähen Masse verarbeitet und dann in die Kalkfarbe eingerührt wird. Das klingt etwas abenteuerlich, funktioniert, wie Erfahrungen zeigen, aber erstaunlich zuverlässig.
Kalklasur
Die Dritte Option im Bunde ist die Kalklasur. Hierfür benötigt man keinerlei zusätzliche Utensilien oder Materialien. Man trägt die Kalkfarbe ganz einfach in einer sehr dünnen Schicht auf der Dispersionsfarbe auf. Die dünne Kalklasur fungiert als Bindeglied zwischen dem dicker aufgetragenen Kalkanstrich und der Dispersionsfarbe und kann die Haftung immens verbessern.
Fazit:
Kalkfarbe lässt sich grundsätzlich auch auf Dispersionsfarbe auftragen, allerdings ist eine gute Haftung nicht ohne zusätzliche Maßnahmen gewährleistet. Mit geeigneten Bindemitteln wie Kasein, Salz und Zinksulfat oder einer vorgeschalteten Kalklasur kann die Haftung deutlich verbessert werden. Wer sorgfältig vorgeht, erzielt so auch auf bereits gestrichenen Wänden ein dauerhaftes und ansprechendes Ergebnis.
FAQs – Kalkfarbe auf Dispersionsfarbe
Kann man Kalkfarbe direkt auf Dispersionsfarbe streichen?
Grundsätzlich ist das möglich, allerdings nur eingeschränkt empfehlenswert. Ohne geeignete Vorbereitung oder Zusatzstoffe kann es passieren, dass die Kalkfarbe nicht richtig haftet oder später abblättert. Deshalb ist eine gute Untergrundvorbereitung entscheidend für ein dauerhaftes Ergebnis.
Warum haftet Kalkfarbe nicht gut auf Dispersionsfarbe?
Dispersionsfarbe bildet eine eher geschlossene, glatte und oft leicht wasserabweisende Oberfläche. Kalkfarbe hingegen braucht einen saugfähigen Untergrund, um sich richtig mit dem Untergrund zu verbinden. Diese unterschiedlichen Eigenschaften führen dazu, dass die Haftung ohne Behandlung problematisch sein kann.
Welche Zusätze verbessern die Haftung?
Sehr bewährt haben sich Kasein, Zinksulfat und Salz. Diese Stoffe wirken als Bindemittel und verbessern die Verbindung zwischen Untergrund und Kalkfarbe deutlich. Besonders Kasein sorgt für eine stabile und langlebige Haftung, während Salz und Zinksulfat die Verarbeitung zusätzlich unterstützen.
Gibt es eine einfache Alternative ohne Zusatzstoffe?
Ja, die sogenannte Kalklasur ist eine unkomplizierte Lösung. Dabei wird die Kalkfarbe sehr dünn aufgetragen, sodass sie als Haftvermittler zwischen Dispersionsfarbe und späteren Kalkschichten dient. Diese Methode ist einfach umzusetzen und kommt ohne zusätzliche Materialien aus.
Muss die Wand vorher speziell vorbereitet werden?
Ja, eine gute Vorbereitung ist wichtig. Die Wand sollte sauber, trocken und frei von losen Farbresten sein. In vielen Fällen kann es zusätzlich helfen, die Oberfläche leicht anzurauen, damit die Kalkfarbe besseren Halt findet und gleichmäßiger haftet.
Als Experte für den Fertighausbau widmet sich Tobias Beuler, der Gründer von Fertighausexperte, allen Fragen rund um Ihr Bauprojekt.
Technisch ausgebildet von der HWK, kaufmännisch ausgebildet von der IHK und weitergebildet im WBZ der Universität St. Gallen sowie vom Bundesverband deutscher Fertigbau, begleitet Tobias Beuler seit 2000 europaweit den Auf- und Ausbau von Fertighäusern. Nachdem er jahrelang selbst auf Baustellen tätig war, bietet er sein Insiderwissen über Fertighausexperte.com seit 2018 an, um Andere bei Ihren Fertigbauprojekten zu unterstützen und ist in TV und Print als Bauexperte bekannt. Mit seinem Buch “Bau keinen Scheiss” ist er seit Juli 2024 auch Spiegel Bestseller Autor.
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