Grundriss lesen

Erfahrungen & Bewertungen zu Tobias Beuler

Kaum ein angehender Bauherr kann den Grundriss richtig auf den ersten Blick lesen, wenn er ihm zur Verfügung gestellt wird. Wir möchten mit diesem Ratgeber die Bedeutung der gängigsten Symbole und Zeichen auf dem Grundriss erklären, sodass es deutlich einfacher ist, das Stück Papier zu lesen und zu verstehen. Schließlich enthält der Grundriss viele wichtige Angaben und einen Überblick zum Hausbau für den Bauherrn.

Grundriss richtig lesen und verstehen

Viele Menschen haben schon einmal einen Grundriss in Händen gehalten. Ihn jedoch zu lesen und zu verstehen, ist gar nicht so einfach. Auf dem Grundrissplan sind auf den ersten Blick nur Linien, Striche und Symbole sowie ein paar unverständliche Angaben zu erkennen. Wer allerdings die gröbsten Kennzahlen seines Eigenheims kennt, der kann den Grundriss nicht nur lesen, sondern wird ihn auch verstehen.

In der Regel bietet der Grundrissplan einen Überblick über die Raumplanung im Haus, und zwar aus der Vogelperspektive. Zu sehen sind architektonische Merkmale wie Innen- und Außenwände, aber auch die verschiedenen Größen der Räume, die Türöffnungen, die Fenster und die Treppen.

Abkürzungen im Grundriss erklärt

Auf den ersten Blick scheint es nur Abkürzungen im Grundrissplan zu geben. Viele der Abkürzungen sind nicht selbsterklärend. Dazu kommt, dass nicht jeder, der den Grundriss erstellt, die gleichen Abkürzungen verwendet. Wir möchten die verschiedenen Abkürzungen kurz erklären, damit auch Bauherren den Grundriss lesen und verstehen können.

Abkürzungen Maße

Hiermit sind die baulichen Maße auf dem Grundriss gemeint.

  • BRH – Brüstungshöhe – Angabe zu den Maßen für die Höhe der Brüstung von Oberkante Fertigfußboden (OKFF) bis zur Unterkante Fensteröffnung.

  • BGF – Bruttogrundfläche – Damit ist die gesamte Fläche alle Geschosses eines Hauses inklusive der konstruktiven Umschließungen (Wand und Dach) gemeint.

  • OKFF – Oberkante Fertigfußboden – Angabe zu den Maßen des fertigen Bodens inklusive Trittschalldämmung, Estrich und Bodenbelag. Maße sind besonders für den Innenausbau (Installationen in Küche und Bad) notwendig.

  • OKF – Oberkante Fußboden – siehe OKFF

  • OKRF – Oberkante Rohfußboden – Angabe zu den Maßen des Rohfußbodens oder Betondecke. Höhe immer ohne Dämmung und Bodenbelag.

Abkürzungen Geschosse

Hiermit werden die verschiedene Geschosse in einem Gebäude bezeichnet.

  • KG: Kellergeschoss – Gebäudeteil, das ganz oder teilweise unterhalb des Gebäudes liegt.

  • UG: Untergeschoss – Damit kann das Kellergeschoss oder das Erdgeschoss gemeint sein. Es gibt hierzu keine einheitliche Verwendung des Begriffes.

  • EG: Erdgeschoss – Liegt auf ebener Fläche des Grundstücks. Dabei muss das Geschoss nicht auf ebener Erde liegen. In einigen Häusern führen auch Treppen zum Höhenniveau des Fußbodens.

  • OG: Obergeschoss – Oberhalb des Erdgeschosses und unterhalb des Dachgeschosses. In einem Gebäude kann es mehrere Obergeschosse geben. Diese werden dann durchnummeriert.

  • DG: Dachgeschoss  Unterhalb des Daches. Kann als Dachboden oder Spitzboden bezeichnet werden, wenn das Geschoss noch nicht ausgebaut ist. Durch die Dachneigung hat das Dachgeschoss eine kleinere Nutzfläche, welche jedoch durch Umbauten zu einem Vollgeschoss werden können.

Abkürzungen Räume

Auch für die Räume innerhalb eines Hauses gibt es feste Abkürzungen.

  • HWE: Hauswirtschaftsraum – Stellplatz für Waschmaschine, Trockner und Co. Teilweise findet auch die Haustechnik ihren Platz dort.

  • SPK: Speisekammer – Dient zur Aufbewahrung von Lebensmitteln, meist direkt an die Küche angeschlossen

  • HAR: Hausanschlussraum – Für die Haustechnik wie Heizungsanlage, Lüftung usw. – wird sehr oft auch als Hauswirtschaftsraum bezeichnet.

  • KiZi: Kinderzimmer – Schlafzimmer für Kinder, meist kleiner als Elternschlafzimmer

  • SZ: Schlafzimmer – Elternschlafzimmer, teilweise mit angrenzendem Bad oder Ankleidezimmer.

  • AK: Ankleide – Raum für Kleidung, grenzt oft an das Schlafzimmer an

  • ES: Esszimmer – Zum Essen und Aufenthalt

  • Di: Diele – Bereich nach dem Hauseingang, der in die einzelnen Räume führt

  • Wz: Wohnzimmer – Bereich für den gemeinsamen Aufenthalt der Familie

Wände im Grundriss

In einem Grundriss werden die Wände als gestrichelte Linie gezeichnet. Dickere Striche sind dabei die Konturen der Wände, sowohl bei den Innen- als auch Außenwänden. Mit dünneren Strichen werden die Schraffuren in den Wänden gezeichnet. Durch die verschiedenen Schraffuren lassen sich Rückschlüsse auf die verwendeten Baustoffe ziehen. Für welchen Baustoff welche Schraffur steht, kann in der Regel in der Legende des Grundrisses nachgelesen werden.

Halbhohe Wandvorsprünge, die sogenannten Installationswände, werden in Badezimmern eingebaut, um dahinter Installationsleitungen für Wasser und Abwasser zu verlegen. Im Grundriss sind diese Vorsprünge als Linien zu sehen, die parallel zur Wand verlaufen. Installationswände können sowohl über die ganze Wandlänge als auch nur teilweise verlaufen. Grundsätzlich gibt es eine Angabe zur Tiefe und Länge des Vorsprungs.   

Die Höhe der Wände in den Grundrissen wird mit den sogenannten Höhenkoten eingetragen. Die Angabe hierzu ist nur sinnvoll, wenn es innerhalb eines Geschosses verschiedene Höhen gibt.

Fenster und Türen im Grundriss

Im Grundriss werden die Fenster mit einer durchgehenden Doppellinie innerhalb der Wände dargestellt. Ist im Grundriss ein Viertelkreis oder eine Diagonale eingezeichnet, dann deutet dies auf ein bodentiefes Fenster hin. Dieses Fenster lässt sich wie eine Tür öffnen. Ist im Grundriss eine gestrichelte Linie zu sehen, dann deutet dies auf ein Oberlichtfenster hin. Fenster sind im Grundriss in der Regel nur an den Außenwänden zu finden.

Nicht zu vergessen bei den Fenstern ist die Brüstungshöhe. Diese kennzeichnet den Abstand zwischen der Fußbodenoberkante bis zur Unterkante des Fensterrahmens. Brüstungshöhen lassen sich im Grundriss durch das Kürzel BRH in Zentimeter erkennen.

Ein Viertelkreis oder ein Dreieck kennzeichnet in einem Grundriss eine normale Zimmertür. Anders sieht es bei Türen zum Schieben aus. Diese werden in der Wandöffnung als Pfeil dargestellt, wobei der Pfeil immer die Öffnungsrichtung der Tür angibt.

Treppen im Grundriss

Einige Punkte sind wichtig, um Treppen in einem Grundriss zu erkennen. Die gerade Treppe wird immer als Rechteck gezeichnet. Dagegen wird eine halb gewendelte Treppe in der umgedrehten U-Form gezeichnet. Volllinien innerhalb der Treppengrundformen deuten die Vorderkanten der Treppenstufen an. Ab einem Meter Höhe der Treppen werden die Treppenstufen nur noch. Gestrichelt gezeichnet, weil sie auf den ersten Blick auf der Draufsicht nicht zu erkennen sind. Auch die Laufrichtung der Treppe kann in den Grundrissen erkannt werden. Sie beginnt immer an der ersten Treppenstufe und wird mit einem kleinen Kreis und einem Pfeil für die Laufrichtung dargestellt.

Sturz im Grundriss

Beim Sturz handelt es sich um ein waagerechtes und durchgehendes Bauelement. Dieses wird über allen Wandöffnungen wie Fenster und Türen verbaut. Der Sturz soll dafür sorgen, dass die Wand über der Öffnung nicht einstürzen kann. Der Sturz befindet sich im oberen Wandbereich und ist in der Regel nicht sichtbar, da er sich hinter dem Wandputz befindet. Daher gibt es im Grundriss nur einen Hinweis auf den Sturz.

Ist der Sturz jedoch sichtbar, weil er nicht verputzt ist, wird er gestrichelt dargestellt. Dies ist oftmals der Fall, wenn zwei Räume miteinander verbunden werden sollen und dazu ein Wanddurchbruch erfolgen muss.

Dachschräge, Dachgauben und Dachgiebel im Grundriss

Dachgeschosse in einem Grundriss werden durch eine Reihe von gestrichelten Linien dargestellt. Der Betrachter kann aus der Vogelperspektive die Bauteile nicht sehen, denn sie liegen entweder im Dach oder in der Dachschräge. Da die Bauteile Auswirkungen auf das Dachgeschoss haben, werden sie in gestrichelten Linien dargestellt.

Die gestrichelten Linien, parallel zu den Außenwänden, zeigen die 1- und 2-Meter-Raumhöhen an. Einige Grundrisse zeigen auch den Kniestock mit einer gestrichelten Linie, die parallel mit der Wandlinie im Grundriss gezeigt wird. Sind die 1- und 2-Meter Linien nicht durchgängig gezeichnet, dann deuten sie auf eine Dachöffnung hin. Die s können Dachflächenfenster oder Dachgauben sein.

Dachflächenfenster werden als gestricheltes Rechteck mittig im Raum gezeichnet. Entweder sind die Umrisse oder die Öffnungsrichtung des Dachfensters zu sehen.

Dachgauben, die die 1- und 2-Meter-Linien unterbrechen, werden entweder rechtwinklig oder spitz zulaufend mit gestrichelten Linien dargestellt.

Der Dachgiebel wird ebenfalls gestrichelt dargestellt. Er befindet sich an der Breite des Hauses, wo das Dach spitz zusammenläuft.

Die Grundriss Legende richtig lesen

Grundrisse und architektonisch angefertigte Zeichnungen werden immer mit einer Legende versehen. Dabei werden die Angaben im Plan visuell erklärt. Aus diesem Grund ist die Legende einer der wichtigsten Bestandteile eines Grundrisses. So lassen sich Abkürzungen, Schraffuren und Symbole identifizieren und verstehen.

Grundriss Maße lesen

Rund um den Grundriss gibt es eine Vielzahl von unterbrochenen Strichen mit Zahlen, welche als Maßketten bezeichnet werden. Die Maße im Grundriss werden immer von innen nach außen angeordnet, sodass die äußerste Linie die Gesamtlänge bzw. -breite des Hauses angibt. Danach folgen die Maße für die Räume, für die Vor- und Rücksprünge der Fassade und die Innenraummaße sowie die Stärken der Wände. Mit der letzten Maßkette werden Pfeiler und Öffnungen im Haus gekennzeichnet.

Maßketten erklärt

Maßketten gehören zu den Abmessungen bzw. den Bemaßungen eines Gebäudes. Die Maßkette wird in der DIN 406 und DIN 1356 geregelt.

Maßstab des Grundrisses

Grundrisse werden in der Regel im Maßstab 1 : 100 dargestellt. Dies bedeutet, dass 1 Zentimeter auf dem Grundriss einem Meter in der Realität entspricht. Es gibt auch Grundrisse mit einem Maßstab von 1 : 75. Das Lesen der Angaben ist hier sehr umständlich, denn es muss jede Angabe mühsam umgerechnet werden.  

Wird ein Bauantrag gestellt, dann muss der Grundriss immer im Maßstab 1 : 100 erstellt werden. Zum einen erleichtert dies die Arbeit und zum anderen wird Missverständnissen bei den Details vorgebeugt.

Was bedeuten dünne und dicke Striche?

Dicke Striche in durchgezogenen Linien deuten beim Grundriss auf die Konturen der Wände hin. Dies gilt sowohl für die Innenwände als auch für die Außenwände.

Dünnere Striche werden für die Schraffuren in den Wänden verwendet, sodass hier Rückschlüsse auf die Baustoffe gezogen werden können.

Grundriss Symbole und Zeichen

Für jedes Symbol und für jedes Zeichen im Grundriss gibt es eine eigene Bedeutung. Werden diese Symbole und Zeichen erst einmal verstanden, gibt es auch keine Probleme mit dem Lesen und Verstehen des Grundrissplanes.

Was bedeutet der Nordpfeil?

Der Nordpfeil in einem Grundriss ist sehr wichtig, denn er zeigt die Ausrichtung der einzelnen Räume. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Himmelsrichtungen bzw. die geografische Orientierung. Hausbesitzer können so erkennen, ob Küche, Balkon, Terrasse oder Wohnzimmer auf der richtigen Seite vom Haus geplant wurden. Schließlich möchten die Hausbesitzer später optimal von der Sonneneinstrahlung auf ihr Grundstück profitieren.

Aus diesem Grund sollte dem Nordpfeil auf einem Grundriss immer genügend Aufmerksamkeit gewidmet werden. Denn der Nordpfeil ist nicht nur für die Ausrichtung der Räume von großer Bedeutung, sondern auch für die Ausrichtung der Immobilie insgesamt.

Den Nordpfeil findet man auf dem Grundriss ebenso wie im Plankopf.

Unser Fazit – es ist wichtig den Grundriss zu verstehen

Für die neue Traumimmobilie ist der Grundriss das wohl wichtigste Dokument. Können Hausbesitzer den Grundriss lesen und auch verstehen, können sie schon frühzeitig beginnen Möbel und Ähnliches zu planen. Sie wissen, wo sich Fenster befinden und wo die entsprechenden Türen. Aus diesem Grund sollten Hausbesitzer sich intensiv mit dem Thema Grundriss befassen, denn so können Bauherren und ihre Familie  im Kopf bereits zur Probewohnen oder Möbel kaufen. Um den Grundriss mühelos zu lesen und auch zu verstehen, muss man das Grundprinzip verstehen.

Autor Tobias Beuler

Aktualisiert: 05.06.2021

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Als Experte für den Fertighausbau widmet sich Tobias Beuler, der Gründer von Fertighausexperte, allen Fragen rund um Ihr Bauprojekt.

Technisch ausgebildet von der HWK, kaufmännisch ausgebildet von der IHK und weitergebildet im WBZ der Universität St. Gallen sowie vom Bundesverband deutscher Fertigbau, begleitet Tobias Beuler seit 2000 europaweit den Auf- und Ausbau von Fertighäusern. Nachdem er jahrelang selbst auf Baustellen tätig war, bietet er sein Insiderwissen über Fertighausexperte.com seit 2018 an, um Andere bei Ihren Fertigbauprojekten zu unterstützen und ist in TV und Print als Bauexperte bekannt.


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