Dachstuhl

Erfahrungen & Bewertungen zu Tobias Beuler

Auch wenn der Dachstuhl kaum sichtbar ist, hat er eine tragende Aufgabe. Doch der Dachstuhl trägt nicht nur die Bedachung, sondern kann auch als Wohnraum genutzt werden. Wir haben uns die verschiedenen Bauweisen angeschaut und möchten Tipps und Informationen zu den verschiedenen Dachkonstruktionen geben.

Was ist ein Dachstuhl?

Es handelt sich hier um eine tragende Konstruktion. Auf dem Dachstuhl werden nicht nur die Dachsparren befestigt, sondern die komplette Eindeckung. In den meisten Fällen besteht der Dachstuhl aus Holz. Bei genauerer Betrachtung lässt sich schnell feststellen, dass die Konstruktion Dachstuhl einiges aushalten muss. Zum einen trägt sie die komplette Bedachung und zum anderen muss der Dachstuhl sowohl mit Schnee als auch mit starker Windlast fertig werden.

Die meisten Hausbesitzer feiern nach der Fertigstellung des Dachstuhls ein Fest, das sogenannte Richtfest. Das Richtfest gilt als wichtiger Meilenstein beim Hausbau.

Welche Aufgabe hat der Dachstuhl?

Der Dachstuhl muss ein hohes Gewicht tragen, denn auf ihm sitzt das komplette Dach. Zum Dach kommt das Gewicht der Dachziegel sowie Schneelast im Winter oder ein starker Winddruck bei Stürmen. Um das alles zu tragen, wird der Dachstuhl mit seinem Gebälk fest im Mauerwerk verankert. Dies geschieht an der Traufe bzw. am gemauerten Giebel mittels einbetonierter Ankerschrauben oder stabilen Winkeln aus Stahl. Dabei ist wichtig, dass die Verankerung des Dachs bombenfest ist, denn der Dachstuhl überträgt den kompletten Druck und die Lasten auf die Mauern.

Aus welchen Bauteilen besteht ein Dachstuhl?

Für den Holzbau des Dachstuhls kommen folgende Bauteile in Betracht:

  • Dachlattung – Diese trägt später die Dacheindeckung.

  • Dachschalung – Wird oft zur Herstellung eines regensicheren Unterdachs verwendet.

  • Sparren – Balkenart, welche die Dachlattung trägt.

  • Pfetten – Diese befinden sich unter den Sparren.

  • Kopfband – Sorgt für kleinere Spannweiten der Pfetten.

  • Ständer – Bilden den Auflagepunkt der Pfetten.

Dachstuhl Holz – das richtige Holz wählen

Für den Dachstuhl können verschiedene Hölzer genutzt werden. In den meisten Fällen kommt Fichten- oder Kiefernholz für die Holzbalken zum Einsatz. Dabei überzeugen die genannten Nadelhölzer nicht nur durch ihr geringes Gewicht, sondern auch durch ihre Stabilität und die einfache Verarbeitung.

Fichtenholz im Speziellen bietet eine hohe Festigkeit. Außerdem sind die Rohstoffkosten sehr günstig.

Kiefernholz dagegen lässt sich leicht verarbeiten und bietet dabei eine gute Tragfähigkeit.

Sollen die Balken des Dachstuhls sichtbar bleiben, greifen die meisten Bauherren zu Lärchenholz. Das Holz sieht nicht nur sehr ansprechend aus, es ist auch sehr langlebig.

Welche Dachstuhlarten gibt es?

Drei Arten von Dachstühlen sind in Deutschland bekannt. Im Folgenden möchten wir näher auf die einzelnen Stühle eingehen.

Pfettendach

Die Sparren liegen beim Pfettendach auf den Pfetten. Je nach Position der Pfetten ist die Rede von Fuß-, Mittel- oder Firstpfetten. Betragen die Spannweiten zwischen den Pfetten mehr als 10 m, kommen die Mittelpfetten zum Einsatz.

Beim Pfettendach wird das Gewicht vom Dach über die Stützen abgeleitet, was schon bei er Grundrissplanung für das Dachgeschoss berücksichtigt werden muss. Experten sprechen hier von einem zweifach oder auch dreifach stehenden Stuhl.

Beim Pfettendachstuhl kommt es bei den Sparren nicht zu Horizontalkräften. Daher müssen auch keine Sparrenpaare gebildet werden. Dies wiederum erleichtert den Einbau von Schornsteinen, Dachfenstern und dergleichen. Entstehende Vertikalkräfte werden über die Pfetten in die Stützen und in die Wände abgeleitet.

Der Pfettendachstuhl hat folgende Merkmale:

  • Ab 30 Grad Dachneigungen

  • Maximal 5 m freie Sparrenlänge

  • 75 bis 100 cm Sparrenabstände

  • Mittelpfetten bei Spannweiten von mehr als 10 m

  • Pfettendach kommt bei sehr verwinkelten Grundrissen des Daches zum Einsatz

  • Beim Pfettendach lassen sich Dachüberstände einfach realisieren

  • Vielfach wird ein Kniestock ausgebildet, was die Nutzfläche unter dem Dach vergrößert

  • Bei Dachstuhlkonstruktion des Pfettendachs ist der Dachraum nicht stützenfrei

Sparrendach

Das Sparrendach ist der klassische Dachstuhl in Nordeuropa, denn es kommt ohne Stiele aus, da die gesamte Last nach außen auf die Ringbalken oder den Kniestock abgeleitet wird. Dies sorgt für eine große Gestaltungsfreiheit beim Grundriss für die tragenden Innenmauern.

Insbesondere beim Satteldach mit einem Neigungswinkel von 30 Grad und mehr kommt das Sparrendach zum Einsatz. Da keine störenden Stützbalken benötigt werden, lässt sich die Fläche des Innenraums optimal nutzen. Zusätzlich kann den Balken eine Innenverkleidung wie etwa Gipskartonplatten angebracht werden.

Wenn das Sparrendach auf den Drempel (Kniestock) aufgesetzt werden soll, muss dies von einem Fachmann erledigt werden. Grund hierfür sind die großen Kräfte, die auf den Traufbereich wirken.

Bei einem Winkelbungalow oder einem Haus mit abgewinkeltem Grundriss kommt es zu Konstruktionsschwierigkeiten beim Sparrendach. Gleiches gilt auch für ein Walmdach oder ein Dach mit Gauben. Der Grund hierfür ist, dass die Sparren beim Sparrendach exakt gegenüberliegen müssen.  

Das Sparrendach hat folgende Merkmale:

  • Gesamter Dachraum kann stützenfrei überspannt werden

  • Dachstühle fr 30 bis 60 Grad Dachneigungen

  • Für 8 bis 10 m Spannweiten

  • Maximal 7 m freie Sparrenlänge

  • 75 bis 100 cm Sparrenabstände

  • Nicht für verwinkelte Dachflächen geeignet

  • Beim Einbau von Gauben oder Dachfenstern sind aufwendige Konstruktionen nötig

Kehlbalkendachstuhl

Charakteristisches Merkmal vom Kehlbalkendachstuhl ist der waagerechte Balken, der auch als Kehlbalken bezeichnet wird. Einzelne Sparrenpaare werden durch den Kehlbalken ausgesteift. Durch die Lastverteilung über die Sparrenauflager vermeidet der ausgeübte Druck Knick- und Biegemomente, denn die Druckkräfte werden sowohl in Horizontal- als auch in Vertikalkräfte zerlegt. Dabei werden diese in Decke und Außenwände abgeleitet.

Der Kehlbalkendachstuhl hat folgende Merkmale:

  • 9 bis 14 m Spannweiten möglich

  • Holzverbrauch gering

  • Gesamtes Dachgeschoss kann stützenfrei überspannt werden

  • Zusätzlich konstruktive Maßnahmen erforderlich bei großen Dachüberständen

  • Aufwendige konstruktive Maßnahmen bei Dachfenster und Gauben, welche breiter als der Sparrenabstand sind

  • Für verwinkelte Dachflächen nicht geeignet

Welche Dachstuhlkonstruktionen gibt es?

Neben dem Hängewerk und dem Sprengwerk sind die Dachstuhlkonstruktionen liegender Stuhl und stehender Stuhl bekannt. Die beiden letzten haben wir uns genauer angeschaut.

Liegender Stuhl

Bei dieser Stuhlkonstruktion kommen schräg geneigte Stuhlsäulen zum Einsatz. Diese stützen sich oben am Spannriegel ab. Befestigt werden die Stuhlsäulen auf dem Dachbalken in der Nähe der Außenwand oder einer anderen tragenden Wand. Stützen sind nicht vonnöten, sodass der Dachraum besser genutzt werden kann. Die Lasten werden vom Dachstuhl auf den Rand der darunterliegenden Deckenbalken in der Nähe des Auflagers und nicht in der Feldmitte getragen. Dies reduziert den Biegemoment.

Einen liegenden Stuhl sieht man sehr oft als Sichtdachstuhl im Mittelschiff einer Kirche.

Stehender Stuhl

Zum Einsatz kommen hier lotrechte Pfosten, auch Stuhlsäulen genannt. Diese sind auf einer Linie unterhalb der Firstpfette aufgereiht. Von einem doppelt stehenden Stuhl wird gesprochen, wenn eine zweireihige Aufstellung vorhanden ist. In Fachkreisen wird von einem mehrfach stehenden Stuhl bei kombinierten Stuhlkonstruktionen gesprochen. Das Aneinanderreihen der Pfosten wird als Stuhlwand bezeichnet. In den meisten Fällen werden Pfosten und Pfetten zu einem Kopfverband verbunden. Dadurch wird die Dachmontage erleichtert. In Kombination mit Windrispen kommt es zu einer Längsaussteifung des Daches.

Was kostet es, einen Dachstuhl zu bauen?

Für die Dachfläche eines Satteldachs muss mit Kosten von 60 bis 70 Euro pro Quadratmeter gerechnet werden. Für ein Walmdach oder eine andere Form des Daches muss mit Kosten von rund 90 Euro pro Quadratmeter kalkuliert werden.

Bei den Dachstuhlkosten müssen die Kosten für die Dachdämmung sowie für die Dacheindeckung addiert werden. Je nach Länge oder geplanter Beanspruchung variieren die Preise für die Dachsparren. Da die Dachsparren meistens aus Nadelholz bestehen, kann mit Preisen von 5 bis 15 Euro pro laufendem Meter kalkuliert werden.

Bei einer Dachstuhlsanierung kommen zusätzliche Kosten für Abriss und Entsorgung des alten Dachstuhls hinzu.

Kann ich den Dachstuhl selbst bauen?

Eine Frage, die viele Bauherren beschäftigt, wenn beim Hausbau Kosten eingespart werden sollen.

Laien können einen Dachstuhl nur selbst bauen, wenn sie vorgefertigte Zuschnitte verwenden, die nur noch zusammengesetzt werden müssen. Dennoch muss bei allen Dacharbeiten größte Vorsicht im Vordergrund stehen, denn wie bereits erwähnt hat der Dachstuhl enorme Lasten zu tragen.

Die Konstruktion bei einem Satteldach ist sehr einfach im Gegensatz zu anderen Dachkonstruktionen. Wollen Bauherren den Dachstuhl selbst bauen, sollten sie sich der Verantwortung bewusst sein. Es liegen nicht nur hohe Belastungen auf dem Dach, sondern die Stabilität des kompletten Hauses ist davon abhängig. Bei einem Fehler kann es nicht nur zu hohen Folgekosten durch eine fehlerhafte Wärmedämmung kommen, sondern im schlimmsten Fall gelangt Feuchtigkeit ins Haus. Dadurch wird auf Dauer die Bausubstanz geschädigt, was im Nachhinein die ersparten Kosten für den Dachstuhl mehrfach wett macht.

Was bedeutet „Hängewerk“ und „Sprengwerk“?

Es handelt sich hier um einen besonderen Dachstuhl Aufbau.

  • Hängewerk – Dadurch wird der auf dem Hängepfosten aufgehängte Bund- oder Binderbalken belastet. Die Hängepfosten tragen dabei die Zugkräfte auf die Streben als Druckkraft ab. Kommt ein doppeltes Hängewerk zum Einsatz, wird die Belastung auf die Streben und Spannriegel abgetragen. Dabei wird die Kraft der Streben in die Bundbalken oder die Auflager abgeleitet.

  • Sprengwerk – Im Vergleich mit dem Hängewerk werden keine Hängepfosten benötigt. Entstehende Druckkräfte der Streben werden direkt auf die Auflager abgeleitet.

Unser Fazit zum Dachstuhl

Auch wenn beim Hausbau durch Eigenleistungen Geld gespart werden kann, sollte der Heimwerker sich nicht am Dachstuhl bauen versuchen. Es kann zu schwerwiegenden Folgeschäden durch unsachgemäßes Arbeiten kommen. In jedem Fall sollte ein Fachmann alle Arbeiten rund um den Dachstuhl erledigen, denn nur so können Bauherren sicher sein, dass der Dachstuhl das Dach in jeder Situation trägt. Sicher ist es möglich, dass versierte Handwerker beim Bau der Dachkonstruktion und des Dachstuhls mithelfen können.

Autor Tobias Beuler

Aktualisiert: 05.06.2021

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Als Experte für den Fertighausbau widmet sich Tobias Beuler, der Gründer von Fertighausexperte, allen Fragen rund um Ihr Bauprojekt.

Technisch ausgebildet von der HWK, kaufmännisch ausgebildet von der IHK und weitergebildet im WBZ der Universität St. Gallen sowie vom Bundesverband deutscher Fertigbau, begleitet Tobias Beuler seit 2000 europaweit den Auf- und Ausbau von Fertighäusern. Nachdem er jahrelang selbst auf Baustellen tätig war, bietet er sein Insiderwissen über Fertighausexperte.com seit 2018 an, um Andere bei Ihren Fertigbauprojekten zu unterstützen und ist in TV und Print als Bauexperte bekannt.


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