Erfahrungen & Bewertungen zu Tobias Beuler

Vor dem Bau eines Gebäudes muss ein Schnurgerüst oder ein Schnurbock zur Gebäudeabsteckung (Feinabsteckung) aufgestellt werden. Damit wird die genau Position vom Gebäude auf dem Grundstück bzw. der Baustelle markiert. Neben dem Aushub der Baugrube gehört dies zu den ersten Arbeiten beim Hausbau auf der Baustelle.

Was versteht man unter einem Schnurgerüst?

Ein amtlicher Vermesser muss vor dem Aushub des Bodens das Grundstück nochmals vermessen. Dabei erfolgt das Einschlagen farblich markierter Hölzer in den Boden. Der Baggerführer nimmt diese gekennzeichneten Hölzer zum Hinweis, bis zu welcher Stelle der Boden ausgehoben werden muss.

Nach dem Aushub wird der Schnurbock aufgestellt. In den meisten Fällen wird die Errichtung vom Polier der Rohbaufirma übernommen. Jedoch kann diese Arbeit auch als Eigenleistung vom Bauherrn erledigt werden. Das Schnurgerüst kennzeichnet die Ecken des Gebäudes.

Das Aufstellen des Schnurgerüsts ist eine der Nebenleistungen für Rohbauarbeiten.

Im Vorfeld ist es ratsam, dass abgeklärt wird, ob die Vermessung vom Vermessungsbüro erledigt wird und wer für die Kosten der notwendigen behördlichen Abnahme aufkommt. Regelungen dazu sind in der DIN 276 zu finden.

Welche Kosten für die Errichtung von Schnurböcken anfallen, hängt in erster Linie von der Anzahl der Gebäudeecken ab. Diese ergeben die erforderliche Anzahl von Schnurböcken.

Wozu dient ein Schnurgerüst?

Im Bauwesen dient das Schnurgerüst der Absteckung und der Positionierung der Außenkanten der Baugrube und der Lage vom Gebäude. Vielfach wird das Schnurgerüst auch als Schnurbock bezeichnet.

Schritte zur Errichtung des Schnurgerüstes

Nachdem die Position des Hauses bestimmt wurde, kann das Schnurgerüst gestellt werden. Zuvor werden die ungefähren Standpunkte der Gebäudeecken mit Sand gekennzeichnet, um die Ausrichtung und die Abstände überprüfen zu können. Die Grundrissdaten des genehmigten Bauplans können so genau auf die Position übertragen werden.

  • Abstecken des Schnurgerüsts
  • Einmessen des Schnurgerüsts
  • Einmessen der Höhe für das Schnurgerüst
  • Abnahme durch die Baubehörde

Die Einmessung der Schnüre

In einem Abstand von 100 cm zu den späteren Gebäudekanten und oberhalb werden die ersten 3 Pflöcke ausreichend tief eingeschlagen (ca. 50 cm). Anschließend werden weitere Pflöcke etwa parallel zu den Außenwänden des Hauses eingeschlagen. Dabei ist es wichtig, dass die Pflöcke lotgerecht stehen. In Höhe von ca. 50 cm über der geplanten Oberkante des Unterbaus oder außerhalb der späteren Gebäudekanten wird an den Pflöcken eine Markierung angebracht. Dabei muss die Bretteroberkante mit der Markierung an den Pflöcken abschließen. Anschließend müssen die Bretter waagerecht auf gleicher Höhe angebracht werden. Dazu müssen die Schnurböcke für jede Hausecke analog hergerichtet werden.

Hier ist es ratsam, ein Vermessungsbüro oder einen Fachmann mit dem Einmessen der Eckpunkte zu beauftragen. Die Konstruktion sollte nur mit geringen Toleranzen von bis zu 2,5 mm vorgenommen werden. Für die korrekte Positionierung der Schnurböcke haftet das Rohbauunternehmen, weshalb die Arbeiten auch einem Vermessungsingenieur überlassen werden sollten. Definierte Ausgangspunkte dienen dem Einmessen des Schnurgerüsts. Die Markierung auf dem Schnurgerüst erfolgt mithilfe von Nägeln. Parallel verlaufende Schnüre um die Nägel markieren die Hausecken in den Schnitten. Die ermittelten Werte und die Maße des Gebäudegrundrisses haben eine rechtliche Bedeutung und werden in den Tachymeter übertragen.

Erst nachdem die Bodenplatte gegossen ist, darf das Schnurgerüst entfernt oder die Position verändert werden.

Festlegung der Höhe des Schnurgerüsts

Nicht nur die Position des Gebäudes sowie die Fluchten aus dem Grundriss, sondern auch die Höhe des Schnurgerüsts muss festgelegt werden. Die spätere Höhenlage des Bauvorhabens ist entsprechend den Bauplänen die fertige Fußbodenoberkante.

Mithilfe von Rotationslasern (klassisch die Schlauchwaage) wird dies eingemessen. Ausgangswert ist hierbei die NN-Höhe (Normal Null über Meeresspiegel), der von den Kanaldeckeln in der Nähe übernommen wird. In den meisten Fällen entspricht die Oberkante der Schnurgerüstlatten der Oberkante des Fertigfußbodens im Erdgeschoss (OKFFB).

Anforderungen beim Abstecken des Schnurgerüsts

Klar definierte Ausgangspunkte wie zum Beispiel Grenzsteine sind für das Einmessen des Schnurgerüsts wichtig. In der Regel kommen elektronische Lasergeräte (Tachymeter) bei der Positionierung zum Einsatz, da die exakten Maße sehr wichtig sind. Daten vom Einmessen aus den Bauplänen werden in eine elektronische Karte mittels eines 3D Animation Schnurgerüst übertragen. Sowohl bei den Bauplänen als auch im 3D Animation Schnurgerüst werden nur sehr geringe Toleranzen von höchstens plus/minus 2,5 mm akzeptiert.

Die Verantwortung beim Einmessen trägt der Architekt oder die Bauleitung. Übernimmt ein Ingenieur oder Sachverständiger die Einmessung, muss dies im Bauvertrag vereinbart werden. Nach dem Einmessen durch den Sachverständigen übermittelt dieser eine Einmessbescheinigung an die Baubehörde. Ansonsten muss nach der Fertigstellung des Schnurbocks eine bauamtliche Abnahme erfolgen.

Die Gebäudehöhe sichtbar machen

Mit einem Schnurgerüst kann auch die Gebäudehöhe sichtbar gemacht werden. In der Schweiz ist dies vorgeschrieben und wird als Baugespann bezeichnet. Entsprechend lange Stangen mit Dreiecksverbindungen werden dazu an den Gebäudeecken angebracht. So kann das Volumen eines Neubaus visualisiert werden, was die spätere Wirkung des Gebäudes verdeutlicht.

Abnahme durch die Behörden

In der Baugenehmigung kann eine behördliche Schnurgerüstabnahme festgesetzt werden. Ein Mitarbeiter des Bauamtes prüft die durch das Schnurgerüst gekennzeichnete Lage des Gebäudes sowie die Höhenlage in Übereinstimmung mit der Baugenehmigung und anderen Vorschriften.

Grundsätzlich hat der Bauunternehmer für die korrekte Übernahme der Vorgaben aus der Baugenehmigung zu sorgen. Dies gilt insbesondere beim schlüsselfertigen Bauen.

Entfernung des Schnürgerüstes

Selbst wenn keine behördliche Abnahme des Schnurgerüsts erfolgt, besteht eine erhebliche rechtliche Bedeutung. Das Schnurgerüst sorgt dafür, dass die geplanten Abmessungen des Hauses visuell verdeutlicht werden, was vornehmlich für Nachbarn nicht unwichtig ist. Dabei geht es um die Größe des Gebäudes, die Einhaltung der Grenzabstände, die korrekte Grundstücksgrenze und noch einigem mehr.

Die Entfernung des Schnurgerüsts darf erst erfolgen, wenn die Bodenplatte bzw. die Fundamente gegossen sind. Das Schnurgerüst stellt einen baurechtlich relevanten Aspekt dar. Das Schnurgerüst befindet sich im Besitz des Bauherrn. Daher darf es erst nach Rücksprache mit ihm verändert oder gar entfernt werden. Wird ein Schnurgerüst unerlaubt entfernt oder kommt es zu anderen relevanten Handlungen, kann dies sowohl straf- als auch zivilrechtliche Folgen haben. Unter Umständen dient das Schnurgerüst als Beweismittel.

Was kostet ein Schnurgerüst?

Die Kosten des Schnurgerüstes sind abhängig vom Umfang der einzelnen Leistungen. Je mehr Ecken das Gebäude hat, umso mehr Schnurböcke müssen gestellt werden. Muss zusätzlich auf die Einhaltung des Grenzabstands geachtet werden, werden zusätzliche Arbeiten zur Einhaltung der Grenzabstände nötig.

Wird ein professioneller Anbieter mit dem Schnurgerüst beauftragt, kostet des im Schnitt 500 Euro. Wichtig ist ein Angebotsvergleich, denn zwischen den verschiedenen Angeboten kann es zu erheblichen Unterschieden kommen.

Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Da die Erstellung eines Schnurgerüstes zu den Nebenleistungen für Rohbauarbeiten zählt, sollte sie auch nur professionell ausgeführt werden. Es lohnt in jedem Fall ein Vermessungsbüro mit der Ausführung zu beauftragen. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Schnurgerüst in der Baugenehmigung festgesetzt wurde. Ist dies der Fall, dann muss ein Mitarbeiter des Bauamts das Schnurgerüst überprüfen und abnehmen.

Plant der Bauherr das die eigenständige Aufstellung des Schnurgerüstes, dann sind in jedem Fall nachfolgende Fehler zu vermeiden. Dachlatten oder Pfosten für den Aufbau des Schnurgerüstes nicht geeignet. Nach Möglichkeit soll ein Selbstbausatz mit robusten und hochwertigen Materialien zum Einsatz kommen. Damit ausreichend Stabilität gewährleistet ist, müssen die Pflöcke ca. 50 cm tief in das Erdreich gesteckt werden. Immer wieder kommt es vor, dass auf Holzverbindungen zwischen den Pflöcken verzichtet wurde. Stattdessen wurden nur einzelne Pflöcke gestellt und diese mit einer Schnur verbunden. In einigen Fällen wurden auch alte Holzlatten, Bretter oder ein bereits genutztes Holzgestell als Verbindung verwendet. Diese Varianten sind allerdings auf keinen Fall geeignet. Solche und andere Fehler führen leicht dazu, dass das Schnurgerüst an Stabilität verliert und es so zu Verschiebungen bei den Positionen kommt.

Unser Fazit zum Schnurgerüst

Auch wenn es den Anschein erweckt, dass es sich beim Schnurgerüst um eine einfache Angelegenheit bei der Baustelleneinrichtung handelt, die vom Häuslebauer auch in Eigenregie vorgenommen werden kann, ist davon unbedingt abzuraten. Besteht kein Hintergrundwissen, kann es sehr leicht zu Fehlern kommen, die sich auf den kompletten Bau auswirken. Aus diesem Grund sollten die Eckpunkte für ein Gebäude immer von einem Profi-Vermesser eingelesen werden. Alle Regelungen zur behördlichen Abnahme können in der DIN 276 nachgelesen werden und sind Grundlage für den Bau.

Author Tobias Beuler

Aktualisiert: 05.06.2021

Als Experte für den Fertighausbau widmet sich Tobias Beuler, der Gründer von Fertighausexperte, allen Fragen rund um Ihr Bauprojekt.

Technisch ausgebildet von der HWK, kaufmännisch ausgebildet von der IHK und weitergebildet im WBZ der Universität St. Gallen sowie vom Bundesverband deutscher Fertigbau, begleitet Tobias Beuler seit 2000 europaweit den Auf- und Ausbau von Fertighäusern. Nachdem er jahrelang selbst auf Baustellen tätig war, bietet er sein Insiderwissen über Fertighausexperte.com seit 2018 an, um Andere bei Ihren Fertigbauprojekten zu unterstützen und ist in TV und Print als Bauexperte bekannt.


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