Autor: Tobias Beuler - Fertighausexperte
Kategorie: Bau Wiki
Zuletzt aktualisiert: 5. July 2026
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Inhaltsverzeichnis
Kurz & Kompakt - Das Wichtigste
- Drempel = kein Wohnraum: Dachschräge beginnt direkt am Boden, dadurch nur Stauraum nutzbar.
- Kniestock schafft Platz: Senkrechte Wand hebt die Schräge an und sorgt für mehr Stehhöhe.
- Mindestens 1,30 m sinnvoll: Erst ab ca. 1,30 m Kniestockhöhe sind Möbel und Wohnnutzung gut möglich.
Kniestock, Drempel oder Trempel – für viele sind diese Begriffe geradezu sprichwörtliche böhmische Dörfer, wenn es um den Hausbau eines Fertighauses geht oder ein bereits gebautes Haus gekauft werden soll. Zumeist dann, wenn eine Immobilie in eigener Regie neu errichtet wird oder ein Kauf mit anschließendem Umbau stattfindet, erhalten diese Begriffe eine ganz neue Bedeutung. Jetzt geht es nämlich darum, ob im Dachgeschoss des Traumhauses ausreichend Platz, sprich Wohnraum, vorhanden ist und wie sich dieser exakt ermitteln lässt.
Was ist ein Kniestock und was ist ein Drempel?
Je nach Dachform gibt es unterschiedliche Bauweisen. Ein Kniestock kann unter dem Dach für zusätzlichen Raumgewinn sorgen – eine Drempelwand für Stauraum. Wie genau lassen sich diese beiden Ausbauformen jedoch exakt definieren, auf was kommt es an und warum kann das eine besser sein als das andere – und umgekehrt?
“Der Kniestock sorgt für mehr Stehhöhe und besseren Wohnkomfort im Dachgeschoss, während der Drempel als Teil der Dachkonstruktion das Maß für die Wandhöhe und damit den möglichen Nutzraum bestimmt – beide sind Schlüsselfaktoren für die Funktionalität eines ausgebauten Daches.” – Tobias Beuler, Bausachverständiger.
Hier erstmal eine der wichtigsten Infos vorab:
Sie als Bauherr, der aktuell ein Fertighaus oder ein Massivhaus plant, sollten darauf achten, dass Ihr Kniestock mindestens 1,3 Meter hoch ist. Dann kann man die Schrägen optimal für Schränke nutzen und auch in einem hohen Boxspringbett noch im Sitzen lesen, falls Ihr Bett später an einer Außenwand stehen sollte.
Bedeutung Drempel – es wird bereits am Dachgeschossboden schräg
In manchen Regionen und je nach Fertighausanbieter wird aus dem Drempel ein Trempel. Im Resultat handelt es sich um dasselbe: Die innenliegende Dachschräge startet, sowohl beim Fertighaus als auch beim Massivhaus, bei der Bauweise mit Drempel direkt am Dachgeschossboden. Damit wird eines erreicht (ob positiv oder negativ liegt im Auge des Betrachters): es ist ganz oben im Haus schlicht und ergreifend weniger Platz und Wohnraum vorhanden. Ebenso ist die Raumhöhe geringer, ergo – der gesamte Wohnraum reduziert sich. Um diese sachliche Reduktion optisch an den Raum anzugleichen, können Trockenwände installiert werden. Wenn in diese dann noch kleine Türen oder Regalböden eingebaut werden, lassen sich ideale Stauräume generieren. Aus dem zunächst vermeintlichen Nachteil ziehen die zukünftigen Bauherren auf diese Weise sogar noch einen Vorteil.
So wird die Wohnfläche im Dachgeschoss berechnet
Wird im Dachgeschoss mit Schräge eine Wohnflächenberechnung durchgeführt, dann ist folgendes zu beachten:
Räume und Raumteiler, die mindestens 2 m hoch sind – hierzu zählen auch die Abstellkammer, die Küche, das WC und Bad sowie der Flur und eventuell ein beheizbarer Wintergarten, fließen diese zu 100 % in die Wohnfläche Ihres Fertighauses / Massivhauses mit ein. Liegt die Grundfläche von Räumen im Dachgeschoss hingegen zwischen 100 und 199 cm, dann reduziert sich diese Berechnungsgrundlage um die Hälfte. Keine Regel ohne Ausnahme – für Loggia, Balkon, Dachgarten und Dachterrasse fließen bei der Flächenermittlung lediglich 25 % in die Wohnflächenberechnung mit ein.
Somit muss konstatiert werden: Ist im Dachgeschoss ein Drempel vorhanden, weist das Haus insgesamt eine deutlich geringere Wohnfläche auf.
Tipp: Achten Sie als Bauherr in den Fertighaus- und Planungskatalogen also immer auf die Wohnfläche. Viele Hausbauunternehmen geben nur die Grundfläche an und stellen somit den Quadratmeterpreis günstiger da, als er ist. Denn bei der Grundfläche, und das zählt für Fertighäuser und Massivhäuser, werden zum Beispiel die Flächen der Wände nicht abgezogen. Bei der Wohnfläche hingegen schon.
Der ausgebaute Dachboden – was noch zu beachten ist in Sachen Drempel
Sobald der Dachboden als Wohnraum genutzt wird, spielt der Unterschied zwischen Kniestöcken und Drempeln eine weitere entscheidende Rolle. Wie bereits festgestellt, geht beim Dachgeschossausbau mit Drempel reichlich Raum verloren, respektive dieser ist lediglich bedingt als Stauraum nutzbar. Werden Trockenbauwände eingesetzt, dann lässt sich der Wohnraum jedoch optisch besser abgrenzen, weiterhin wird mittels Drempel eine effektive Isolierung erreicht. Dadurch, dass in die Drempelwände Türen eingesetzt werden, lässt sich dahinter jede Menge Platz für dies und das schaffen. Gerade für Bauherren, die auf den alten Hausverkäufertrick reingefallen sind, mit Bodenplatte statt mit Fertigkeller zu bauen, kann dieser Stauraum sehr nützlich sein.
Definition Kniestock
Anders als beim Drempel liegt beim Einbau eines Kniestock der gewaltige Unterschied darin, dass das Dach auf der erhöhten Außenwand des Fertighauses / Massivhauses aufliegt. Dies wiederum führt zu den folgenden Vorteilen:
Mehr Wohnraum und zwar dadurch, dass die Dachschräge, anders als beim Drempel, nicht
unmittelbar am Fußboden beginnt, sondern mindestens auf Kniehöhe – daher auch der Name. So wird die nutzbare Wohnraumfläche deutlich erhöht. Ein Vorteil bei der Vermietung, denn in diesem Fall zeichnet die Wohnfläche bekanntlich für die Erhebung des Mietzinses verantwortlich.
Die meisten Bebauungspläne weisen übrigens eine anderthalbgeschossige Bauweise aus. Man darf also ein volles Geschoss haben (das Erdgeschoss) und ein halbes Geschoss (das Dachgeschoss). Ein Bebauungsplan mit 2 Vollgeschossen ist eher selten. Diese Version wird eher in Bebauungsplänen in Städten eingesetzt, weil man so mehr Wohnfläche schaffen kann, da in Städten immer zu wenig Platz ist.
Mehr Kopfhöhe
Mehr Freiheit im Kopfbereich, wird durch einen erhöhten Dachansatz geschaffen, was zum einen dem Stauraum und Komfort und zum anderen der Größe des Wohnraums zugutekommt.
Info
Bei Altbauten sowie in anderen Sonderfällen, wenn die geringeren Raumhöhen zuvor bereits vertraglich festgelegt wurden, können durchaus auch Bereiche als Wohnraum angerechnet werden, die niedriger sind.
Noch zum Thema Dachneigung – wer dieser nicht zu 100 % traut, kann sie auch einfach und bequem selbst berechnen. Hierzu stehen online zahlreiche Apps zur Verfügung. Mit deren Hilfe wird die Berechnung zum Kinderspiel. Von der Funktionsweise her funktionieren diese genauso wie ein digitaler, professioneller Winkelmesser. Einfach das Gerät an die Dachschräge anlegen und sofort wird auf dem Display der Neigungswinkel angezeigt.
Bei Dachschrägen mit Licht und Schatten spielen
Wie wäre es, das Arbeitszimmer in der Dachschräge mit hellem Interieur zu möblieren – und dann die Wände mit dunklen Abschnitten und Mustern zu dekorieren und so bezaubernde Akzente zu setzen?
Schon einmal ausprobiert: bei schmalen Räumen mit Dachschräge, Holzverkleidungen horizontal anbringen oder eine entsprechend quergemusterte Tapete verwenden um den Raum in Sachen Optik breiter wirken zu lassen.
- Teppiche und Spiegel sind wahre Raumwunder-Tricks für flache Dachschrägen
- nutzen Sie ganze Höhe unter der Dachschräge mittels Regalsystemen gekonnt aus
- flache Betten reduzieren und vergrößern auch den schrägsten Raum
- unter schrägen Wänden den dort vorhandenen Stauraum raffiniert nutzen. Hierzu
einfach niedrige Trockenbauwände mit Schiebetüren vom Boden bis zur Schräge
installieren - nutzen Sie den vorhandenen Platz unter der Treppenschräge, indem Sie dort mit
Vorhängen Sichtschutz schaffen. - richten Sie Dachschrägen mit flexiblen Möbeln ein. Rollregale oder anderes Mobiliar,
das auf Rollen gelagert ist, eignen sich dazu perfekt.
Fazit
Ein kleiner Kniestock kann zwar zunächst erstmal etwas nachteilig wirken. Wenn er jedoch geschickt genutzt wird, machen durchaus auch Häuser mit einem niedrigen Kniestock mächtig Spaß. Und alle Bauherren, die für ihr Bauvorhaben noch die richtige Höhe suchen, sollten mal von der idealen Höhe von 1,3 Metern ausgehen (unabhängig von Fertighaus oder Massivhaus).
Hier noch ein weiteres Info-Video zum Thema Kniestock Viel Spaß dabei ????
FAQs zum Thema Kniestock und Drempel
Was ist ein Kniestock und wofür wird er verwendet?
Was ist ein Drempel und welche Funktion hat er?
Ein Drempel ist eine horizontale Balkenkonstruktion, die den Übergang zwischen dem obersten Geschoss und dem Dach bildet. Er liegt direkt auf den obersten Geschossaußenwänden auf und trägt die Dachkonstruktion. Der Drempel sorgt für Stabilität und ist auch ein wichtiger Teil der Wärmedämmung.
Wie hoch sollte der Kniestock sein?
Die Höhe des Kniestocks hängt von den Bauvorschriften und den individuellen Bedürfnissen ab. In der Regel liegt die Höhe zwischen 1,80 und 2,20 Metern. Ein höherer Kniestock bietet mehr Stauraum und ermöglicht die Installation größerer Fenster, während ein niedrigerer Kniestock Kosten sparen kann.
Welche Materialien werden für Kniestöcke und Drempelelemente verwendet?
Kniestöcke und Drempel bestehen oft aus Holz, da es ein leichtes und stabiles Baumaterial ist. Andere Optionen können Stahl, Beton oder Mauerwerk sein, abhängig von den spezifischen Anforderungen und dem Baukonzept. Die Wahl der Materialien hängt von Faktoren wie Kosten, Tragfähigkeit und Dämmungsanforderungen ab.
Kann der Kniestock nachträglich eingebaut oder verändert werden?
Ja, in vielen Fällen ist es möglich, einen Kniestock nachträglich einzubauen oder den vorhandenen Kniestock zu verändern. Dies erfordert jedoch eine gründliche Planung und Abstimmung mit einem Architekten oder einem Fachmann, da dies Auswirkungen auf die Statik, die Raumgestaltung und andere Aspekte des Gebäudes haben kann. Es ist wichtig, die örtlichen Bauvorschriften zu beachten und alle erforderlichen Genehmigungen einzuholen, bevor Änderungen am Kniestock vorgenommen werden.
Als Experte für den Fertighausbau widmet sich Tobias Beuler, der Gründer von Fertighausexperte, allen Fragen rund um Ihr Bauprojekt.
Technisch ausgebildet von der HWK, kaufmännisch ausgebildet von der IHK und weitergebildet im WBZ der Universität St. Gallen sowie vom Bundesverband deutscher Fertigbau, begleitet Tobias Beuler seit 2000 europaweit den Auf- und Ausbau von Fertighäusern. Nachdem er jahrelang selbst auf Baustellen tätig war, bietet er sein Insiderwissen über Fertighausexperte.com seit 2018 an, um Andere bei Ihren Fertigbauprojekten zu unterstützen und ist in TV und Print als Bauexperte bekannt. Mit seinem Buch “Bau keinen Scheiss” ist er seit Juli 2024 auch Spiegel Bestseller Autor.
Auf unserer Website erhalten Sie kostenlose Tipps rund rum den Fertighausbau und können auf Wunsch eine individuelle Betreuung Ihres Bauprojekts buchen. Unsere Experten helfen Ihnen u. a. beim Prüfen von Angeboten und Baubeschreibungen oder dem Optimieren von Werkverträgen, damit Sie Baurisiken mindern können. Zudem besuchen wir Baustellen vor Ort und führen bspw. Rohbaukontrollen durch oder begleiten Hausabnahmen.
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