Sickerschacht

Erfahrungen & Bewertungen zu Tobias Beuler

Da es aufgrund geschlossener Erdflächen für Regenwasser immer schwieriger wird abzufließen und es so zu immer mehr Überschwemmungen kommt, entscheiden sich viele Bauherren für einen oder mehrere Sickerschächte. Wir möchten aufzeigen, wie ein solcher Schacht in Eigenleistung gebaut werden kann und was dabei zwingend beachtet werden muss.

Was ist ein Sickerschacht?

Die Funktion von Versickerungsanlagen ist schnell erklärt. Durch Sickerschächte kann Regenwasser auf einem Grundstück versickern. Dies entlastet das öffentliche Kanalsystem und Hauseigentümer können durch den Bau von Sickerschächten Abwassergebühren einsparen.

Mit Sickerschächten, die meist aus Beton bestehen, wird das Regenwasser unterirdisch abgeleitet. Es wird kurzfristig gespeichert und kann dann versickern.  Durch eine wasserdurchlässige Schicht am Boden der Sickerschächte oder durch gelochte Seitenwände erfolgt dabei die Versickerung. Für diese Funktion benötigt der Sickerschacht ein gewisses Volumen. Größere Wassermengen sammeln sich innerhalb des Schachtes an und versickern dann nach und nach. Dadurch bleibt zeitweise Wasser im Sickerschacht stehen.

Sickerschacht selbst bauen

Hauseigentümer können unter bestimmten Voraussetzungen einen oder mehrere Sickerschächte in Eigenleistung auf ihrem Grundstück bauen. In der folgenden Anleitung geben wir entsprechende Tipps für die Fertigstellung von Versickerungsanlagen.

Ist eine Genehmigung nötig?

Bisher sind die Regelungen zum Einbau von einem Versickerungsschacht nicht bundeseinheitlich geregelt, sodass immer erst bei der zuständigen Behörde (Wasserbehörde) nachgefragt werden muss. Dabei gelten die örtlichen Gegebenheiten zum zukünftigen Standort des Versickerungsschacht. Auf keinen Fall dürfen Sickerschächte in einem Wasser- und Quellschutzgebiet sowie auf Grundstücken mit nachgewiesenen Altlasten erbaut werden.

Des Weiteren setzt die Genehmigung voraus, dass der Boden eine Mindest-Versickerungsleistung hat, welche sich auf die vorliegenden Bodenverhältnisse bezieht. Bei einem schweren Lehmboden kann Wasser nur schwer versickern, während Erdreich, das locker und kieshaltig ist, Wasser leichter versickern lässt.

Gemäß § 57 WHG ist die Einleitung von Sickerwasser in das Erdreich erlaubnispflichtig.

Berechnung des Sickerschachtes

Damit es auf der einen Seite nicht zu Problemen mit der Behörde kommt und Hausbesitzer auf der anderen Seite mit dem Einsatz der Sickergrube zufrieden sind, muss der Sickerschacht eine gewisse Größe aufweisen. Nachfolgende Faktoren sind dafür entscheidend.

Grundwasserspiegel

Der Grundwasserspiegel spielt eine wichtige Rolle bei der Größe des Sickerschachtes. In den meisten Gemeinde- und Stadtverordnungen heißt es dazu, dass zwischen Schachtboden und Grundwasser ein Mindestabstand von einem Meter liegen muss. Die Höhe vom Grundwasser in der eigenen Region lässt sich sowohl von Brunnenbauern als auch vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Erfahrung bringen. Letztere aktualisieren die Höhe vom Grundwasser regelmäßig.

Regenmenge

Aus der Menge von Regenwasser, welches in den Sickerschacht fließen soll, kann die Versickerungsleistung ermittelt werden. Hierbei geht es in erster Linie um die statisch erfassten Jahresdurchschnittswerte in Kombination mit der Regenwasserfläche. Von Region zu Region können sich diese Werte unterscheiden.  

Bodenbeschaffenheit

Welche Regenmenge in den Schacht abgeleitet werden kann, ist stark abhängig von der Bodenbeschaffenheit. Bei einem schwer durchlässigen Boden (Lehmboden) sammelt sich mehr Regenwasser im Sickerschacht als bei einem Boden ohne Lehmanteil. Der Schacht entleert sich so mehrmals am Tag, sodass immer wieder Raum für eine weitere Wasserzufuhr zur Verfügung steht. Dies bedeutet, dass bei einer geringeren Versickerungsleistung das Schachtvolumen entsprechend angepasst werden muss.

Bauanleitung eines Sickerschachtes

Wie bereits erwähnt, kann der Sickerschacht auch in Eigenleistung errichtet werden. Wir erläutern die einzelnen Schritte zum Einbau.

Drainage

Damit die Wassermaßen nicht auf die Erdschicht drücken und es so zu einer Verdichtung kommt, welche die Versickerung erschwert, muss eine Drainage aus Kies auf ein entsprechendes Vlies gelegt werden. Dies Kiesschicht auf dem Vlies sollte mindestens 2 bis 3 cm betragen. Besser sind jedoch 5 bis 6 cm. Der Kies wird dabei gleichmäßig über die gesamte Fläche auf dem Vlies verteilt. Die Drainage sollte dabei über die Schachtringwände hinausragen.

Schachtring

Für den Schachtring werden Fertigelemente genutzt. Diese sind im Baufachhandel zu bekommen. Die Schachtringe bestehen aus einem wasserundurchlässigen Material, wie zum Beispiel Beton und Kunststoff. Experten nennen dies einen monolithischen Schacht, er ist in einem Stück/Guss gefertigt.

Die Schachtringe können auch über seitliche Lochungen verfügen. So kann die Versickerung von Wasser des Schachtes auf das umliegende Erdreich erfolgen.

Wasserfilter

Um der Entstehung von unreinem Wasser und damit einhergehenden Gerüchen vorzubeugen sowie die Haltbarkeit von Kunststoff-Schachtringen sicherzustellen, raten Experten einen Filter zu verwenden. Dieser ist im Fachhandel zu bekommen. Alternativ kann auch eine Schicht aus Sand in den Schachtring gegeben werden. Die Sandschicht sollte eine Höhe von mindestens 50 cm haben, damit es zu einer ausreichenden Filterfunktion kommt. Allerdings ist diese Methode nicht sehr effektiv.

Zulaufrohr

Wenn Wasser von einer bestimmten Stelle in den Sickerschacht geleitet werden soll, zum Beispiel von einer Dachregenrinne, dann muss ein Zulaufrohr installiert werden. Je nach Bauweise des Schachtes kann das Zulaufrohr von oben durch den Schachtverschluss oder seitlich an dafür vorgesehene Schraubvorrichtungen angeschlossen werden. Dabei kann das Zulaufrohr sowohl ober der Erdoberfläche als auch unterirdisch verlaufen. Verläuft das Zulaufrohr unterirdisch, dann muss ein Kanal bis zum Ausgangspunkt des Schachtes gelegt werden. Hier findet das Zulaufrohr seinen Platz.

In jedem Fall ist es wichtig, dass das Rohr über ein Gefälle in Richtung des Schachtes verfügt. Nur so kann das Wasser fließen und bleibt nicht stehen oder wird gar zurückgedrückt. Durch Verbindungsstücke können mehrere Zuläufe verbunden und an das führende Rohr im Schacht angeschlossen werden.

Schachtverschluss

Der äußere Hohlraum sollte mindestens bis zur Hälfte und maximal bis zum Zulaufrohr mit Kies aufgefüllt werden. Im Anschluss daran kommt die zuvor ausgehobene Erde auf die Flächen.

Wird ein offener Schachtring verwendet, wie es meist bei Beton der Fall ist, kann ein passender Deckel gekauft werden. Damit wird die Schachtanlage verschlossen. Bei Bedarf kann der Deckel vollständig mit Erde bedeckt werden, um darauf zum Beispiel Rasen zu säen. So wird der Sickerschacht auf den entsprechenden Flächen komplett unsichtbar.

Baukosten eines Sickerschachtes

Für die Kosten eines Sickerschachts sind einige Faktoren verantwortlich:

  • Vorgeschriebene Größe vom Sickerschacht

  • Material aus dem der Schacht besteht

  • Eventuell anfallende Einbaukosten

  • Bodenbeschaffenheit an der Einbaustelle

  • Wird der Schacht von einem Fachbetrieb oder in Eigenleistung erstellt

Je nach Größe des Sickerschachtes ist mit Kosten von 1.000 bis 2.500 Euro zu rechnen, wobei die Einbaukosten hier schon enthalten sind.

Unser Fazit zum Sickerschacht

Um das Regenwasser versickern zu lassen, wurde der Sickerschacht erfunden. Hausbesitzern bringt die Sickergrube gleich mehrere Vorteile. Er benötigt kaum Platz und ist leicht zu realisieren. Mit einer Sickergrube kann einiges an Abwasser gespart werden, sodass sich die Kosten im Laufe der Zeit amortisieren. Generell können wir sagen, dass mit dem Bau eines Sickerschachtes nichts falsch gemacht werden kann, dennoch ist es ratsam sich vor dem Bau um Genehmigungen und dergleichen zu kümmern.

Autor Tobias Beuler

Aktualisiert: 05.06.2021

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Als Experte für den Fertighausbau widmet sich Tobias Beuler, der Gründer von Fertighausexperte, allen Fragen rund um Ihr Bauprojekt.

Technisch ausgebildet von der HWK, kaufmännisch ausgebildet von der IHK und weitergebildet im WBZ der Universität St. Gallen sowie vom Bundesverband deutscher Fertigbau, begleitet Tobias Beuler seit 2000 europaweit den Auf- und Ausbau von Fertighäusern. Nachdem er jahrelang selbst auf Baustellen tätig war, bietet er sein Insiderwissen über Fertighausexperte.com seit 2018 an, um Andere bei Ihren Fertigbauprojekten zu unterstützen und ist in TV und Print als Bauexperte bekannt.


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