Die perfekte Mischung – der Baustoff Lehm

Bei Lehm handelt es sich um eine Mischung aus Sand, Ton und Schluff (Feinsand). In sehr vielen Fällen sind diese Materialien regional verfügbar. Dies wiederum trägt dazu bei, dass ein ressourcenschonender Abbau und die Weiterverarbeitung gewährleistet werden kann. Alle Anforderungen an wohngesundes Wohnen wird Lehm ohnehin gerecht und der Baustoff kann mit dem unschätzbaren Attribut aufwarten, beliebig oft und zu 100 Prozent recycelt werden zu können.

Egal, ob es sich dabei um Lehmbauplatten, Stampflehm, Lehmziegel oder Lehmputz handelt: Alle Lehmbaustoffe werden getrocknet und nicht gebrannt, so erhalten sie Stück für Stück ihre große Stabilität. Durch das Beimischen von Hanf, Stroh, Holz oder anderen pflanzlichen und mineralischen Zuschlägen, lässt sich das Material ganz gezielt beeinflussen. Diese Kunst wurde von unseren Altvorderen bereits vor Jahrhunderten beherrscht. Beispielsweise können das Schwinden und die Bildung von Rissen während des Trockenvorgangs verringert werden. Dies erhöht die Abrieb- und Druckfestigkeit, ebenfalls wird die Wärmedämmung maßgeblich verbessert.

Auch was den Brandschutz anbelangt, schneidet der Baustoff Lehm hervorragend ab. So sind zum Bespiel alle Lehmbaustoffe, bei denen der Gewichtsanteil von entzündlichen Zuschlägen unter der Marke von 15 Prozent liegt, nicht brennbar. Bei Lehm-Gewichtsanteilen, die unter 20 Prozent entzündlicher Zuschläge liegen, und bei denen der Anteil an Ton mehr als zehn Prozent beträgt, sind brandhemmend und sehr schwer entflammbar.

Lehm sorgt für ein gutes Raumklima

Weiterhin sorgen Baustoffe aus Lehm dafür, dass in Wohnräumen stets ein wohltuendes und ein ausgeglichenes Raumklima herrscht: Lehm trägt jedoch auch dazu bei, dass der Feuchtigkeitsgehalt im Raum reguliert wird. Dies geschieht durch die Aufnahme von Wasserdampf. Diese Feuchtigkeit wird nach der Speicherung je nach Bedarf wieder abgegeben. Somit herrscht in Räumlichkeiten, die aus Lehm gebaut wurden, eine Luftfeuchtigkeit mit geradezu idealen Werten, die etwa bei 50 Prozent liegen. Dem Austrocknen der Schleimhäute sowohl der Schimmelbildung, wird daher gezielt entgegengewirkt. Wichtig ist es dabei zu wissen, dass die Dicke der Lehmschicht keinerlei Rolle spielt, denn mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit wird in den obersten Lehmschicht gebunden. Erkältungskrankheiten werden daher vorgebeugt und die Gefahr an Asthma zu erkranken minimiert. Übrigens wird auch Wärme, die aus Sonnenenergie erzeugt wird, enorm schnell in der Lehmschicht aufgenommen, darin gespeichert und bei Bedarf genauso schnell wieder abgegeben.

Ein Lehmhaus bauen – überwiegend im Innenausbau der Fall

Überwiegend kommt der Baustoff Lehm im Innenausbau zum Einsatz. So erleben beispielsweise Lehmbauplatten anstelle von Gipskartonplatten einen aktuellen Boom. So lassen sich problemlos alle Wände im Haus, die keine tragende Funktion haben, mit Lehmziegeln errichten. Man spricht bei diesen von sogenannten Grünlingen. Auch die Verarbeitung geht ausgezeichnet vonstatten, die Lehmziegel warten mit ähnlichen Werten auf, wie dies beispielsweise bei Materialien wie Kalksandstein oder Ytong der Fall ist. Ebenso wird der Baustoff Lehm auch in Feuchträumen eingesetzt, ganz egal, ob in der Küche oder im Badezimmer. Allerdings muss angemerkt werden, dass überall da, wo ein Spritzwasserbereich vorhanden ist, an wasserfesten Materialien, wie beispielsweise Fliesen, kein Weg vorbeiführt.

Wer die Absicht hegt, ein komplettes Haus aus Lehm errichten zu lassen, kann dies auf jeden Fall tun. Allerdings muss hier sichergestellt werden, dass die Außenwände, die aus Lehm gefertigt werden, gegen das womöglich aufsteigende Wasser aus den Bodenschichten, als auch gegen Regen geschützt sind. Eine Möglichkeit, um hierzu Vorsorge zu treffen, sind große Dachüberstände. Aber auch eine Steinschicht, die mit einer aufliegenden Trennlage versehen ist, bietet einen guten Schutz, um die Lehmwände vor einer Durchfeuchtung zu schützen. Darüber hinaus können Holzschalungen, Außenputze sowie wasserfeste Fassadenanstriche unliebsamen Wasserschäden vorbeugen.

Die Bauweisen beim Lehmhaus: eine der Fertigungsweisen für massive Lehmwände ist das industrielle Verfahren. Aber auch das Stampflehmverfahren kommt immer öfter zum Einsatz. Hierzu werden Holzschalungen errichtet, danach wird in diese der erdfeuchte Lehm gefüllt, anschließend folgt die Verdichtung. Eine andere Bauweise dominiert allerdings in unseren Breitengraden – und zwar der Fachwerkbau: hier verkleidet man die diversen Gefache mittels einer Holzbalkenkonstruktion, die dann mit trockenen Weidenruten ausgekleidet werden. Im Anschluss sorgt eine Mischung aus feuchtem Stroh und Lehm dafür, dass es zu einer höheren Wärmedämmung kommt.

Die Kosten für ein Lehmhaus

Lehm ist als Baustoff kostengünstig und er ist in vielen Regionen in großer Menge verfügbar. Dennoch bewegen sich die Kosten für Planung und versierte Handwerker deutlich über denen eines konventionell gemauerten Gebäudes. Was sich wiederum preissenkend auswirken kann, ist die Tatsache, dass der Bauherr etliche Bauarbeiten in Eigenleistung erbringen kann. Die Muskelhypothek hilft also einiges an Kosten zu sparen. Einzig die fachmännische Anleitung ist dann noch erforderlich. In groben Zügen lässt sich sagen, dass man für ein Lehmhaus etwa mit zehn Prozent höheren Kosten kalkulieren muss als dies bei einem vergleichbaren Haus in konventioneller Bauweise der Fall ist.

Author Tobias Beuler

Aktualisiert: 05.06.2021

Als Experte für den Fertighausbau widmet sich Tobias Beuler, der Gründer von Fertighausexperte, allen Fragen rund um Ihr Bauprojekt.

Technisch ausgebildet von der HWK, kaufmännisch ausgebildet von der IHK und weitergebildet im WBZ der Universität St. Gallen sowie vom Bundesverband deutscher Fertigbau, begleitet Tobias Beuler seit 2000 europaweit den Auf- und Ausbau von Fertighäusern. Nachdem er jahrelang selbst auf Baustellen tätig war, bietet er sein Insiderwissen über Fertighausexperte.com seit 2018 an, um Andere bei Ihren Fertigbauprojekten zu unterstützen und ist in TV und Print als Bauexperte bekannt.


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